Vermisstenfälle

Felix Tschök

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Kurzfassung:

Am 28.12.1984 fahren Felix´ Eltern mit ihm zum Einkaufen in die Dresdner Innenstadt.
Damals so üblich lässt man für einen kurzen Einkauf den Kinderwagen vor dem Ladengeschäft stehen. Nach ca. 30 Minuten kehrten die Eltern zum Kinderwagen zurück, der noch an Ort und Stelle stand – Felix ist verschwunden.

Zusammenfassung:

Dresden vor mehr als 30 Jahren: Lenore und Eberhard Tschök gehen einkaufen. Mit dabei ihr fünf Monate alter Sohn Felix. Doch plötzlich ist Felix verschwunden, gestohlen aus dem Kinderwagen. Wenige Tage später taucht ein krankes Findelkind auf. Gibt es einen Zusammenhang?

Es ist der Alptraum aller Eltern: Als Lenore und Eberhard Tschök am 28. Dezember 1984 den Kinderwagen mit ihrem Sohn Felix für kurze Zeit in einem Dresdener Einkaufszentrum abstellen, wird der Säugling entführt. Nur eine halbe Stunde später beginnt eine Suchaktion von beispiellosem Ausmaß:
Eine 150 Mann starke Sonderkommission dreht sprichwörtlich jeden Stein im Land um. Ohne Erfolg – bis heute: Auch fast 25 Jahre später bleibt Felix Tschök verschwunden – obwohl es eine heiße Spur gibt.

Neun Tage nach Felix` Verschwinden – am 6. Januar 1985 – nimmt der Fall eine ungewöhnliche Entwicklung:
In einem Hausflur in Dresden findet eine Bewohnerin ein etwa einjähriges Findelkind. Es ist ebenfalls ein Junge. Schnell steht zwar fest: Es ist nicht Felix. Doch die Ermittler der Volkspolizei finden heraus, dass es zwischen dem Verschwinden von Felix und dem Findelkind Martin, wie die Beamten ihn nennen, einen Zusammenhang geben muss.

Die These: Sowjetische Armeeangehörige haben Felix einfach gegen ihr krankes Kind getauscht und sich mit Felix nach Russland abgesetzt. Der Fall wird zum Politikum, selbst die Stasi kann weder das Verschwinden von Felix aufklären noch die wahre Identität von Findelkind Martin ermitteln.

Doch die Tschöks haben nicht aufgegeben: Seit mehr als einem Vierteljahrhundert suchen sie nun verzweifelt nach ihrem Sohn. Wer sie dabei heute unterstützt, was seitdem genau passiert ist, und wer unter Verdacht steht, felix entführt zu haben, erfahren Sie hier.

Wie konnte Felix Tschök so einfach entführt werden?

Dass Eltern ihre schlafenden Kinder im Kinderwagen vor den Geschäften abstellten, war in der DDR üblich. Auch an dem Tag, an dem Felix entführt wurde, standen vor dem Einkaufszentrum weitere Kinderwagen.

Wieso wird ein Zusammenhang zwischen Felix und dem neun Tage später aufgetauchten Findelkind vermutet?

An dem Schnuller, den das Findelkind bei sich hatte, fanden sich Speichelreste eines zweiten Kindes – und sie wiesen die Blutgruppe von Felix auf.

Wie kommt es zu der Theorie, dass russische Soldaten Felix entführt haben?

Medizinische Untersuchungen des Findelkindes aus Dresden ergaben, dass das unbekannte Baby nicht auf die deutsche Sprache, wohl aber auf russische Laute reagierte und demnach russische Eltern haben musste. Außerdem fanden sich an Armen und Beinen des Findelkindes Operationsnarben, die nicht von einer Behandlung in einem DDR-Krankenhaus stammen konnten. Und schließlich lag das Kind in einem Karton, wie er damals von der russischen Armee benutzt wurde – ebenso wie das Tuch, in das der Junge gewickelt war.
Als wahrscheinlichste Theorie galt von diesem Zeitpunkt an: Ein Angehöriger der in Dresden stationierten Sowjetarmee hat sein krankes Kind gegen Felix ausgetauscht. Danach ist er sofort zurück in die damalige Sowjetunion gegangen.

Gibt es Verdächtige?

Ja. Ein Zeuge machte so ausführliche Schilderungen zu der Person, die den Karton mit dem Findelkind abgelegt haben soll, dass ein Phantombild von geradezu fotografischer Qualität entstand. In diesem Bild erkennt ein weiterer Zeuge seinen Chef wieder: den Zivilangestellten der sowjetischen Armee Risadtin Sultanow. Er hat damals in dem Laden gearbeitet, aus dem der Karton stammte, in dem das Findelkind lag.

Doch als die Fahnder auf Sultanow aufmerksam wurden, war er bereits nach Russland zurückgekehrt. Außerdem war die Indizienlage seinerzeit zu schwach – und der Russe Risadthin Kajumowitsch Sultanow streitet noch immer alles ab.

Suchen die Tschöks seit 1984 permanent nach Felix?

Nein. Ein Jahr nach Felix Verschwinden wurde seine Akte geschlossen – wohl auch, weil sich der Fall zum Politikum entwickelt hatte. Die DDR- Führung wollte nicht den Eindruck entstehen lassen, vom russischen Militär gehe Gefahr aus.

Erst Ende der Neunzigerjahre nahm das Ehepaar Tschök die Suche nach dem entführten Sohn wieder auf. Für sie stand fest, dass ihr Sohn irgendwo in Russland sein muss. Sie meldeten Felix erneut als vermisst und wandten sich mit ihrer Bitte um Mithilfe an höchste Stellen: Doch Doris Schröder- Köpf und Angela Merkel hatten nur warme Worte übrig für ihr Anliegen.

Als der russische Präsident Wladimir Putin 2006 anlässlich seines Staatsbesuches in Dresden war, versuchten sie ihn mit einem Plakat auf ihr Anliegen aufmerksam zu machen. Doch Putin, der Mitte der Achtziger für den sowjetischen Geheimdienst in Dresden stationiert war, nahm keine Notiz von ihnen.

Wer unterstützt die Tschöks?

Inzwischen interessieren sich nicht mehr nur die deutschen Medien für den Fall. Auch russische Journalisten wurden auf die Tschöks aufmerksam: Die Tschöks traten 2003 in einer landesweit ausgestrahlten TV-Sendung auf und zeigten den Zuschauern mit Hilfe kriminologisch erstellter Phantombilder, wie Felix als junger Mann aussehen könnte.

Seitdem erhalten die Tschöks viele Nachrichten aus Russland: Es melden sich junge Männer, die in den 1980er Jahren in Deutschland geboren wurden. Doch die Untersuchungen haben ergeben: Keiner von ihnen ist Felix.

Außerdem kommt die Suche nach Felix auch auf höherer Ebene endlich wieder in Bewegung. Auf Anfrage der Dresdener Staatsanwaltschaft haben die russischen Behörden nun eine Liste mit den Krankenakten von den Jungen freigegeben, die 1983 und 1984 im Dresdener Militärkrankenhaus behandelt wurden. Derzeit werden die Daten von der Staatsanwaltschaft überprüft. Man hofft, die Eltern des Findelkindes ermitteln zu können – und damit Felix‘ mutmaßliche Entführer.

Was wurde aus dem Findelkind?

Trotz der vermuteten Krankheit und der Injektionsnarben ist Martin Sonntag heute gesund. Er ist ausgebildeter Schlosser und im Stahlbau tätig. Seine Leidenschaft sind Autos.

Er wurde seinerzeit von Pflegeeltern aus einem Heim geholt und adoptiert. Martin Sonntag ist in Sachsen aufgewachsen. Dass er ein Findelkind ist, hat er erst spät erfahren.

Quelle: https://web.archive.org/web/20130101130529/http://www.stern.de:80/tv/sterntv/der-fall-felix-tschoek-aus-dem-kinderwagen-geklaut-703005.html#

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