Kurzfassung:
Pascal war am 30.09.2001 mit seinem Fahrrad auf dem Weg zur Kirmes, dort wurde er anscheinend auch zuletzt noch gesehen.Anschließend wollte er die Kirmes wohl über einen weniger belebten Nebenausgang verlassen – seitdem fehlt von dem Jungen jede Spur.Der Fall hat erschreckende Details ans Licht gebracht.
Pascal Zimmer ist ein mutmaßlich ermordeter Junge aus dem Saarbrücker Stadtteil Burbach. Er wird am 11. Dezember 1995 geboren. Am 30. September 2001 verlässt er die Wohnung seiner Eltern und verschwindet mit seinem Fahrrad auf dem Weg zum Oktoberfest.
Die Polizei richtet nach Pascals Verschwinden schnell eine Sonderkommission (Soko) namens „Hütte“ ein. In den Tagen nach dem 30. September suchen die Ermittler fieberhaft nach dem Fünfjährigen, werten hunderte Hinweise aus.Nach zwei Wochen gerät Pascals 18-jährige Stiefschwester in Verdacht. Ihre jüngere Schwester hatte gesagt, Pascals Stiefschwester hätte mit Pascal gestritten, ihn mit einer Schaufel erschlagen und die Tat gestanden. Die beiden Schwestern verstricken sich im weiteren Verlauf der Ermittlungen in Widersprüche, zu einer Anklage gegen Pascals Stiefschwester kommt es nicht.
Parallel dazu laufen Ermittlungen wegen einer möglichen Kindswohlgefährdung in Saarbrücken-Burbach. Dabei geht es um den damals sechsjährigen „Kevin“, der Jahre später unter seinem echten Namen Bernhard Müller sein Schweigen brechen wird.Er ist ein Spielkamerad von Pascal und berichtet rund ein Jahr nach dessen Verschwinden von Missbrauch in der Burbacher „Tosa Klause“. Pascal sei von einer Gruppe Erwachsener dort sexuell missbraucht worden. Mitglieder seien die Kneipenwirtin und ehemalige Pflegemutter Christa W., Andrea M., Bernhards leibliche Mutter, und weitere Stammgäste der „Tosa Klause“. Wenige Monate nach Bernhards Aussagen wird gegen die Verdächtigen Haftbefehl erlassen.
Andrea M. gesteht in Vernehmungen, Pascal in die Kneipe gelockt, mehrmals vergewaltigt und mit einem Kissen erstickt zu haben. Die Leiche hätte sie zusammen mit den weiteren Personen aus der mutmaßlichen Missbrauchs-Gruppe in einen Müllsack gesteckt und in einer Sandgrube im französischen Schoeneck vergraben. Eine Einsatzgruppe untersucht daraufhin die Grube, findet aber keinen Leichnam. Auch andere Verdächtige geben zu, am Tod von Pascal beteiligt gewesen zu sein.
Am 20. September 2004 beginnt vor dem Landgericht Saarbrücken der Prozess gegen zwölf Verdächtige. Sechs von ihnen sind wegen Mordes angeklagt, die anderen wegen sexuellen Missbrauchs. Zitat aus der Anklageschrift: „Pascal habe zunächst Süßigkeiten erhalten. Danach habe die Angeklagte M. den sich heftig sträubenden Pascal in ein zu der ‚Tosa-Klause‘ gehörendes Kämmerchen geschleppt, um […] weiteren Mitangeklagten, die dafür an die Angeklagte W. jeweils 20 D-Mark hätten zahlen müssen, zu ermöglichen, das Kind sexuell zu missbrauchen. Danach hätten [weitere Angeklagte] nacheinander mit dem sich weiterhin heftig wehrenden und schreienden Pascal den Analverkehr ausgeübt. Die Angeklagte M. habe sie dabei unterstützt und ebenfalls sexuelle Handlungen an dem Kind vorgenommen. […] M. habe [später] den Kopf von Pascal gewaltsam nach unten in ein Kissen gedrückt.“
Der Prozess basiert alleine auf Andrea M.s Zeugenaussage, die sie anfangs vor Gericht auch wiederholt. Es gibt keine Leiche, die Ermittler fanden auch Pascals Fahrrad nicht. Außerdem entdeckten die Polizisten auf der Matratze in der „Tosa-Klause“, auf der Pascal vergewaltigt worden sein soll, keine Spuren.
Andrea M. widerruft im Laufe des Verfahrens ihre Aussage. Es kommt Kritik an den Behörden auf: Die teils geistig minderbegabten und alkoholkranken Beschuldigten seien in Vernehmungen unter Druck gesetzt worden. Auch gibt es jetzt Zweifel an der Aussage von Bernhard Müller.Der Prozess dauert deutlich länger als erwartet, die Verhandlung gerät immer wieder ins Stocken. Die Oberstaatsanwaltschaft fordert schließlich in ihrem Plädoyer im August 2007 in elf Fällen Freiheitsstrafen, in fünf davon lebenslange Freiheitsstrafe. Einer der Angeklagten sei freizusprechen. Die Verteidiger fordern Freisprüche. In ihren letzten Worten beteuern die Angeklagten ihre Unschuld.
Sie werden alle nach 147 Verhandlungstagen und 294 Zeugenvernehmungen am 7. September 2007 freigesprochen. Es gebe „nicht ausgeräumte Zweifel“ an der Schuld der Angeklagten, begründet Richter Ulrich Chudoba die Entscheidung.
Quelle: https://www.sol.de/news/update/News-Update,311952/Saarbruecken-Fall-Pascal-Aktueller-Stand-Prozess-Familie-Christa-W.-Andrea-M.,310208